Geistlicher Impuls zum 07.02.2012
»Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen: Man soll ihnen so dienen, als wären sie wirklich Christus; hat er doch gesagt: Ich war krank, und ihr habt mich besucht, und: Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.« (Benediktsregel, 36. Kapitel, Verse 1-3)
Das Thema „Krankheit" ist in unserer Gesellschaft nahezu allgegenwärtig. Abgesehen vom Phänomen selber sind es Fragen wie Krankenkosten, Krankenversicherung oder Krankenpflege, die dafür sorgen, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät. Es wäre allerdings ein Irrtum, daraus schließen zu wollen, dass es um das Wohl der Kranken unter uns zum Besten bestellt sei. Das pausenlose Feilschen um Krankenhauskosten, um Rechte, Ansprüche, Pflichten und Leistungen aller davon Betroffenen, um die Behebung bestimmter Engpässe und Notstände, das angestrengte Nachdenken über menschenwürdige Pflege, menschenwürdiges Kranksein und Sterben sind alles andere als Signale für einen optimalen Zustand unseres Krankenwesens. Der Kranke wird leichthin als ein Fall oder eine Nummer betrachtet, er dient schnell als interessantes Objekt für medizinische Experimente und Versuchsperson für Arzneimitteltests. Fragen wie: „Was braucht ein Kranker?" werden nicht sehr nachhaltig gestellt. Was dabei nicht selten zu kurz kommt, das ist die Zeit für den Kranken, die Aufmerksamkeit auf ihn und für ihn, das Gespräch mit ihm. Wir vergessen leicht: der Kranke ist ein gewisser Mensch, eine bestimmte Person. Von dem Wort „krank" sollte es eigentlich keinen Plural, nur den Singular geben.
Benedikt rückt den Kranken so eng als möglich in die Nähe Christi. Der Kranke, dessen Menschsein gefährdet ist, läuft Gefahr, nicht voll oder ernst genommen zu werden. Die Art, wie man ihn sieht und behandelt, orientiert sich schnell am Eindruck, den sein Zustand der Schwäche, Hilflosigkeit oder Ohnmacht erweckt. Schützend wird vor ihn das Ansehen und die Autorität Christi selber gestellt. Sie müssen den Dienst am Kranken motivieren und inspirieren. Eine höhere „Medizin" gibt es nicht dafür.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts