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Geistlicher Impuls zum 09.09.2010

„Die Zeit zum Gottesdienst am Tage und in der Nacht anzukündigen sei Sorge des Abtes. Er gebe selbst das Zeichen oder übertrage die Sorge dafür einem gewissenhaften Bruder, damit alles zur rechten Zeit geschieht. (Benediktsregel, 47. Kapitel, Vers 1)“

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Geistlicher Impuls zum 09.09.2010

»Sich selbst verleugnen, um Christus zu folgen.« (Benediktusregel, 4. Kapitel, 10)

In diesen Sätzen dekliniert bzw. konjugiert Benedikt konkret, was Liebe oder lieben heißt. Würden wir danach gefragt, so würden wir sicher bei positiven und schmackhaften Vorstellungen, Wünschen und Erfahrungen stehen  bleiben. Neben Freiheit ist wohl kein Wort so verführerisch und missverständlich wie die Bezeichnung Liebe. Wenn wir unsere Beobachtungen und Erfahrungen mit dem Thema Liebe über einen längeren Zeitraum unter die Lupe nähmen, dann würden wir feststellen, dass sie sich nur schwer auf einen Nenner vereinigen ließen. Liebe bleibt bekanntlich nicht stehen und lässt sich auch nicht auf ein bestimmtes Stadium fixieren. Je näher wir ihrem Kern oder ihrer Mitte kommen, desto mehr geraten wir auch an Grenzen, die nicht verschwinden, sondern leidend ausgehalten und durchschritten werden müssen.

Die Wahrheit und Wirklichkeit der Liebe kennt sehr wohl diese leidvolle Seite der Liebe. Diese schließt Forderungen wie Selbstverleugnung, Askese, Kontrolle oder Verzicht wesentlich mit ein. Die Genannten sind Teil der Schule der Liebe; sie zielen nicht auf die Entfremdung oder Vernichtung des Menschen, sondern auf dessen Wiedergeburt als Liebender im Licht des Evangeliums. Wenn schon die Begegnung mit einem menschlichen Du Abstriche von unserem Ich verlangt, dann gilt das erst recht von der Begegnung mit Gott als dem letzten Du unseres Herzens und Lebens. Liebe nimmt unseren ganzen Menschen in Dienst. Sie besteht darauf, dass wir mit Seele und Leib lieben lernen und lieben.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts