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Geistlicher Impuls zum 09.09.2010

„Die Zeit zum Gottesdienst am Tage und in der Nacht anzukündigen sei Sorge des Abtes. Er gebe selbst das Zeichen oder übertrage die Sorge dafür einem gewissenhaften Bruder, damit alles zur rechten Zeit geschieht. (Benediktsregel, 47. Kapitel, Vers 1)“

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Geistlicher Impuls zum 09.09.2010

»Keinem anderen antun, was man selbst nicht erleiden möchte.« (Benediktusregel, 4. Kapitel, 9)

Benedikt führt hier die sogenannte Goldene Regel an. Sie scheint ihm besonders am Herzen gelegen zu sein, da sie noch an zwei weiteren Stellen der Regel erwähnt wird (RB 61,14; 70,7). An unserer Stelle bildet sie gleichsam den Abschluss des doppelten Liebesgebotes und der Weisungen des Dekalogs, die vorher zitiert werden. Das ist kein Zufall. Die Goldene Regel wird von Benedikt gewissermaßen als Summe, Inbegriff oder Kurzformel beider verstanden. Im Hintergrund der Goldenen Regel steht der Gedanke an die Liebe und den Willen Gottes.

Ihr Ausgangspunkt ist der Blick auf die eigene Situation, die eigenen Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse des Menschen. Sie appelliert an dessen Liebesgewissen, die fremden Nöte und Erwartungen wie die eigenen zu sehen und zu behandeln. Das Maß, mit dem man sich selber annimmt und angenommen sein möchte, wird zum Maßstab im Umgang mit den anderen. In solchem Verhalten ist die schweigende Selbstverständlichkeit und Freiheit der Liebe am Werk. Die Goldene Regel orientiert sich am Selbstverhalten des Menschen. Sie hält ihn dazu an, sich darüber klar zu werden, was einer für sich wünscht und beansprucht bzw. nicht wünscht und in Anspruch nehmen möchte. Dabei geht sie davon aus, dass jeder wohl weiß, was ihn beglückt und was er sich wünscht. Der Eindruck, die negative Formulierung der Goldenen Regel würde einen gewissen minimalistischen Standpunkt begünstigen, trügt. Ehrliche Selbstliebe entartet zum Egoismus, wenn sie den anderen nicht genauso ernst nimmt. Der Standort der Liebe ist nicht teilbar oder zerlegbar.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts