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Geistlicher Impuls zum 23.05.2012

„Konfliktstrategien gibt es nicht erst heute, sie sind im Grunde so alt wie die Menschheit. So reinigt der Abstand die Gefühle und lässt andere Kräfte wie das Nachdenken, den Humor oder die Gesprächsbereitschaft zum Zuge kommen. “

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Geistlicher Impuls zum 23.05.2012

»Der Herr kennt die Gedanken der Menschen.« (Benediktsregel, 7. Kapitel, 15. Vers)

Der Mensch wird bekanntlich als ein Wesen definiert, das mit Vernunft oder Denkvermögen ausgestattet ist oder - kurz gesagt - das denken kann. Wir selber geben uns gewöhnlich über unsere Gedanken und unser Denken kaum Rechenschaft. In der Regel läuft unser Denken ziemlich unkontrolliert und ungeordnet ab; wir schenken ihm keine besondere Aufmerksamkeit. Ohne Zweifel gibt es auch Situationen und Aufgaben, die uns ein höchst diszipliniertes Denken abverlangen. Im Normalfall aber lassen wir unseren Gedanken freien Lauf und lassen sie in alle möglichen Richtungen schießen. Dieser Umstand kann nicht verhindern, dass wir uns nicht selten als kopflastig erfahren, d.h. als Menschen, die ihren Schwer- und Mittelpunkt im Kopf lokalisieren. Das bringt es leicht mit sich, dass wir uns selber nicht recht verstehen und keine Ahnung haben von dem, was in unserem Denken vor sich geht. Zuweilen sind wir recht froh darüber, dass niemand darum weiß, was sich auf dem Marktplatz unseres Denkens alles abspielt. Ist dieser Zustand von Vorteil? Die Alten waren hier gegenteiliger Ansicht. Sie beobachteten geradezu akribisch die Welt, die Zusammenhänge und den Vorgang ihres Denkens und verwandten ein hohes Maß an Sorgfalt auf deren Analyse und Behandlung.

Eine zentrale Bedeutung fiel dabei der vom Glauben bezeugten Gottesvorstellung zu. Ihr hat der Mensch eine letzte Transparenz seines Inneren und seiner Gedankenwelt zugeschrieben und verdankt. Das Wissen um Gottes alles durchdringende und erhellende Gegenwart übt auf unser Denken und Inneres nicht nur eine unwahrscheinlich reinigende und disziplinierende Wirkung aus, es versetzt zugleich in eine Verfassung innerer Ruhe, Ordnung und Stimmigkeit, die heilt und befreit.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts