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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

„Menschen sind in den Augen Benedikts - und hier deckt sich seine Sicht mit dem Blickwinkel Gottes - alles andere als fertige Wesen. Wir vergessen das nur allzu oft, indem wir von anderen erwarten, was wir selber nicht besitzen.“

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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

»Nicht begehren.« (Benediktusregel, 4. Kapitel, 6)

Das Gebot, nicht zu begehren, richtet sich im Rahmen der zehn Gebote auf den Lebensbereich des Nächsten. Es will dessen Leben und alles, was er notwendig dazu braucht, wirksam in Schutz nehmen. Es handelt sich dabei um die Grundbedürfnisse unseres Daseins. Das ist gleichsam die eine Seite der Münze, die das Leben des anderen in den Blick nimmt. Die andere Seite des Begehrens betrifft uns selber. Indem uns ein Nicht-Begehren des Lebensweges unseres Nächsten abverlangt wird, wird uns gleichzeitig ein bewusstes Erwählen und Bejahen unseres eigenen Lebensweges zur Pflicht gemacht. Das ist bei aller anfänglichen Begeisterung nicht immer leicht, vor allem dort, wo sich die Alltags- und Verschleißerscheinungen einstellen.

Wir alle wissen, dass wir eventuell auch ganz andere Wege gehen konnten oder könnten. Es ist von Zeit zu Zeit hilfreich, sich das zu vergegenwärtigen, um dem Empfinden entgegenzutreten, man sei zu einer bestimmten Lebensweise geradezu verurteilt. Entscheidend aber ist letztlich nicht, was wir sein oder tun könnten, sondern was wir tatsächlich sind und tun. Es gehört mit zu unserem Weg, dass er seine Grenzen hat. Wer ohne Grenzen leben und sich alle Türen offen halten will, der lebt letzten Endes nicht. Wir können auf unserem Lebensweg unmöglich alle Möglichkeiten ausprobieren oder verwirklichen. Der Umstand, dass wir wählen und entscheiden müssen, ist nicht nur Schicksal, Zwang oder Notwendigkeit, sondern auch Chance. Wir können auf Fähigkeiten und Möglichkeiten, die wir haben, zugunsten der einen, die wir konkret ergreifen, freiwillig und bewusst verzichten, sie verschenken. Gerade das macht inmitten aller Begrenztheit unseres Weges unsere Größe und Würde aus. Nicht begehren heißt, zu seinen Grenzen und Begrenzungen stehen, denn eben darin liegen unsere wahren Gelegenheiten.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts