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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

„Menschen sind in den Augen Benedikts - und hier deckt sich seine Sicht mit dem Blickwinkel Gottes - alles andere als fertige Wesen. Wir vergessen das nur allzu oft, indem wir von anderen erwarten, was wir selber nicht besitzen.“

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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

»Vor allem: Gott, den Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.« (Benediktusregel, 4. Kapitel, 1)

Mit diesem Satz beginnt Benedikt das vierte Kapitel seiner Regel, das von der „geistlichen Kunst“ handelt. Seiner ursprünglichen Anlage nach ist dieser Abschnitt eine altkirchliche Moralkatechese für Laien. Dem Verständnis des alten Mönchtums zufolge sind also die Grundverpflichtungen für Mönche und Laien dieselben. Ohne dieses Fundament gibt es keine „geistliche Kunst“, womit der den Mönchen eigene Weg der Askese gemeint ist. Benedikt hat die zugrunde liegende Katechese für den klösterlichen Gebrauch leicht umgearbeitet. An den Anfang der einzelnen Elemente oder Weisungen stellt er die Liebe. Er stützt sich dabei auf das Liebesgebot, wie Jesus es formuliert hat (vgl. Mk 12,30.31). Die Beziehung zwischen dem Liebesgebot und Jesus erschöpft sich nicht auf der sprachlichen Ebene. Dieses Gebot gibt geradezu die Grundbewegung Jesu, seines Lebens, seiner Person, seines Auftretens und Handelns an. In ihm ist zugleich das Glaubensbekenntnis Israels zum Einssein Gottes und die daraus resultierende Forderung einer ganz-herzigen und ungeteilten Liebe zu ihm enthalten.

Das große Gebot bildet das Generalthema jedes christlichen Lebens. Es steht als bezeichnende Überschrift über allen Einzelweisungen und öffnet das Tor zu ihnen. Es geschieht mit voller Absicht, dass hier das Leben auf die Basis der Liebe gestellt wird. Liebe, wie sie von Benedikt vorausgesetzt und erwartet wird, geht weder in Raten noch auf Zeit, kennt kein Zögern, keine Bedingungen und Bedenken. Ihr großer Feind ist die Angst, zu kurz zu kommen oder sich zu verlieren. Wer statt zu lieben nur sich absichern möchte, der fällt dabei in tausend neue Ängste. Durch das Leben, das Benedikt uns vorstellt, weht der Geist einer großherzigen, unbeschwerten und grenzenlosen Liebe. Dieser Geist trägt, macht offen und frei, widerstandsfähig und heil.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts