Kontakt

eos Klosterverlag St. Ottilien

Sie sind hier: Startseite » Geistlicher Impuls » 11.10.

Newsletter Abonnieren

Geistlicher Impuls zum 23.05.2012

„Konfliktstrategien gibt es nicht erst heute, sie sind im Grunde so alt wie die Menschheit. So reinigt der Abstand die Gefühle und lässt andere Kräfte wie das Nachdenken, den Humor oder die Gesprächsbereitschaft zum Zuge kommen. “

mehr...

Geistlicher Impuls zum 23.05.2012

»Mit den Gästen darf niemand ohne Auftrag zusammen sein oder sprechen. Wer ihnen begegnet oder sie sieht, grüsse sie... in Demut, bitte um den Segen und gehe weiter mit der Bemerkung, es sei ihm nicht gestattet, sich mit einem Gast zu unterhalten.« (Benediktsregel, 53. Kapitel, 23f)

Wir empfinden diese Worte als unhöflich, unfreundlich, ja im Grunde als lieblos. Es ist uns alles andere als einsichtig, was so ein Verhalten noch mit Gastfreundschaft zu tun hat. Auf der anderen Seite aber fragt es sich, ob wir mit diesen unseren Eindrücken, Vermutungen und Interpretationen richtig liegen. Wir besitzen gewisse Standardvorstellungen von Gastfreundschaft, die sich entweder nach unseren eigenen Wünschen und Erfahrungen oder nach dem allgemein üblichen Verhalten richten. Es kann nicht schaden, solche fraglos praktizierte Muster bzw. Projektionen ein wenig kritisch zu hinterfragen. Gastfreundschaft war den Alten jedenfalls etwas Heiliges und den ersten Christen ein sehr wichtiger Liebesdienst. Im Vordergrund der Aufmerksamkeit stand nicht der äußere und oberflächliche Service, sondern die Begegnung von Mensch zu Mensch.

Wer immer Gäste empfängt oder Besuche erhält, der sollte sich neben allen noch so geläufigen Überlegungen die Frage stellen, was er und seine Umgebung dem Ankommenden eventuell an besonderen Gaben anzubieten haben. Nicht nur das Haus oder die Wohnung, der Mensch selber ist bzw. kann für den anderen so etwas wie eine Herberge, eine vorübergehende Bleibe oder ein Zuhause sein. Zu den Vorzügen oder Gaben, die z.B. ein Kloster seinen Gästen mitzuteilen hat, gehören etwa die Atmosphäre der Stille und des Schweigens, der Geist der Ruhe und der Sammlung, das Gut des Friedens und der Gemeinschaft. Gastfreundschaft, wie sie vom Einzelnen oder von einer Gruppe ausgeübt wird, soll sich sehr wohl durch ihr eigenes Profil auszeichnen. Es ist nicht notwendig, dass ein Besucher bei uns das alles wieder entdeckt, was er überall findet. Der Mut zu unserer eigenen Gastfreundschaft tut uns Not und den anderen gut.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts