Geistlicher Impuls zum 07.02.2012
»Der Abt muss seine Anordnungen immer in Gottesfurcht treffen und sich dabei an die Regel halten. Er muss wissen, dass er sich ohne Zweifel für all seine Entscheidungen vor Gott, dem gerechten Richter, zu verantworten hat.« (Benediktusregel, 3. Kapitel, 11)
Der Abt Benedikts ist alles andere als ein absolutistischer Herrscher. Der Hinweis auf Regel und Rechenschaft signalisiert eindeutige Schranken. Was uns darin vor Augen tritt, ist kein Ausnahme- oder Sonderfall, sondern ein Einzelfall dessen, was man allgemein als Verantwortung bezeichnet. Diese trifft jeden auf seine Art.
Es gibt so etwas wie eine allgemeine und selbstverständliche Verantwortung, die wir zusammen mit unserem Dasein bereits mitbringen. In diesem Sinn ist jeder zuständig für sein Leben und dessen Gestaltung, für seine Gesundheit und deren Pflege, für die Entfaltung und Gestaltung seiner Persönlichkeit, für die Beziehungen, die er aufnimmt und unterhält, für sein Tun und Lassen, für die Umwelt und Umgebung, in denen er lebt. Die Wahrnehmung dieser stillschweigend gegebenen Verantwortung erschöpft sich durchaus nicht im individuellen und unmittelbaren Akt, sondern schließt darüber hinaus auch die weiteren absehbaren Konsequenzen mit ein. Jeder Mensch ist von Haus aus ein Wesen der Verantwortung. Das gilt es, sich bzw. ihm grundsätzlich und immer wieder bewusst zu machen. Davon kann weder er sich noch können andere ihn dispensieren.
Zusätzlich zu dieser mehr allgemeinen besteht unsere besondere Verantwortung, die in unserer speziellen Begabung, bestimmten Verhältnissen und Situationen sowie im jeweiligen Augenblick gründet. Hier gibt es die individuelle weltgeschichtliche und biographische Stunde mit ihrem Anruf und Anspruch, denen sich der Einzelne nicht entziehen kann, ohne sich, seinem Leben, seiner Umgebung, dem Herrn und Lenker seines Daseins untreu zu werden. Es gehört zum Wesen von Verantwortung, dass sie uns stellt und bindet.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts