Geistlicher Impuls zum 23.05.2012
»Keine Arglist im Herzen tragen.« (Benediktsregel, 4. Kapitel, 24)
Konflikte lassen sich nicht immer und überall vermeiden, sie bilden einen tatsächlichen und weniger erfreulichen Bestandteil unseres Lebens. Der einzig sinnvolle Ausweg, der sich uns im Umgang mit ihnen auftut, ist der der Entwicklung vernünftiger und praktikabler Konfliktstrategien. Diese können je nach Mensch und Standort recht unterschiedlich ausfallen. Benedikts Vorschlag zur Konfliktbewältigung setzt im Einklang mit dem erprobten Lebenswissen der Bibel und der Mönchsväter bei einer Erfahrung und Therapie unseres Herzens an. Er weiß um die Wahrheit des Schriftwortes: „Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen?“ (Jeremias 17,9) Folgerichtig nennt er die weniger angenehmen Gefühlsregungen, Emotionen, Empfindungen, Instinkte und Leidenschaften ungeschminkt beim Namen: Zorn, Rachsucht, Arglist, Unaufrichtigkeit... Diese negativen Kräfte und Strömungen sind in uns da und am Werk, sie werden nicht beschönigt, verschwiegen oder entschuldigt. Als geistlicher Realist ist sich Benedikt darüber im Klaren, dass diese Störenfriede nicht mit einem Handstreich zum Verschwinden gebracht werden können.
Die erste Therapiemaßnahme besteht darin, dass man sich die Präsenz dieser „Untermieter“ bewusst macht, ihr Dauerwohnrecht aufkündigt und ihren Einfluss beschneidet. Sie stellen keine unabänderliche Gegebenheit dar. Wir sind nicht an sie und sie sind nicht an uns gefesselt. Der nächste Schritt liegt darin, dass wir dieses unser „Nein“ auf die positive Basis der Entscheidung für das Gute stellen. Wir haben es mit in unserer Hand, ob uns jemand oder etwas aus der Entschiedenheit für das Gute bringt oder nicht. Das Feingespür dafür und der Zustand des inneren Friedens hängen miteinander zusammen. Wer ihnen Raum gibt, drängt die Macht der negativen Stimmungen und Reaktionen zurück und nähert sich allmählich dem Stadium des unvoreingenommenen - oder wie Benedikt sagen würde: reinen - Herzens.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts