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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

„Menschen sind in den Augen Benedikts - und hier deckt sich seine Sicht mit dem Blickwinkel Gottes - alles andere als fertige Wesen. Wir vergessen das nur allzu oft, indem wir von anderen erwarten, was wir selber nicht besitzen.“

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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

»Keiner darf sich herausnehmen, vor oder nach der festgesetzten Zeit eigenmächtig etwas zu essen oder zu trinken.« (Benediktsregel, 43. Kapitel, Vers 18)

Diese Bestimmung kommt uns arg streng, ja geradezu übertrieben vor. Unsere Essensgewohnheiten haben sich gewandelt. Wir wissen, dass es gesünder ist, öfter und in kleineren Mengen etwas zu sich zu nehmen als nur zu ganz bestimmten Zeiten, und dann in größeren Portionen. Benedikts Weisung stammt aus der Tradition und hat andere Intentionen im Auge als ernährungsphysiologische Aspekte. Die Praxis des Essens zwischen den festgelegten Mahlzeiten kann verschiedene Gründe haben. Benedikt konzentriert sich auf den der mangelnden Selbstbeherrschung. Ihren Stellenwert hat wohl selten jemand so klar formuliert wie Mahatma Gandhi, wenn er sagt: „Der Mensch ist nur dann wahrhaft Mensch, wenn er der Selbstbeherrschung fähig ist und selbst dann nur, wenn er sie ausübt."

Beherrschung meint vor allem innere Selbstbeherrschung des Menschen, sie berührt sich sehr eng mit anderen Haltungen wie Selbstdisziplin, Mäßigkeit oder Fähigkeit zum Verzicht. Wir Menschen sind fortwährend Einflüssen aus unserer Umwelt und Mitwelt ausgesetzt, die uns zur Stellungnahme herausfordern. Darüber hinaus stecken in uns selber alle möglichen Antriebe, Affekte, Leidenschaften oder Instinkte, die nach Erfüllung und Befriedigung verlangen. Ähnlich verhält es sich mit den Grund- oder Basiswünschen unseres Herzens nach Ansehen, Macht und Besitz. Ihnen allen ist ein Hang oder Drang ins Maßlose eigen. Der Wunsch ist größer als seine Erfüllung. Das hat zur Folge, dass wir nach mehr aus sind, als wir zu fassen und zu ertragen vermögen. Diese Kräfte und Mächte bedürfen der Pflege und der Kultur, die von außen und innen her Ordnung schaffen. So gesehen geht es nicht um eine Nebensache, wenn Benedikt bei Speise und Trank auf Beherrschung und Zurückhaltung besteht.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts