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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

„Menschen sind in den Augen Benedikts - und hier deckt sich seine Sicht mit dem Blickwinkel Gottes - alles andere als fertige Wesen. Wir vergessen das nur allzu oft, indem wir von anderen erwarten, was wir selber nicht besitzen.“

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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

»Der Liebe zu Christus nichts vorziehen.« (Benediktusregel, 4. Kapitel, 21)

Benedikt bringt im Rahmen seiner Regel immer wieder die Liebe ins Spiel, ein Motiv, das wie der bekannte rote Faden das ganze Leben des Mönchs begleitet. Damit ist nicht ein allgemeiner und farbloser Hinweis auf eine Art Allerweltsliebe gemeint, sondern eine Liebe, die einen bestimmten Namen und ein bestimmtes Gesicht trägt, wie der Zusatz „Christus“ deutlich macht. Die Formulierung selber entstammt der altkirchlichen Tauf- und Martyriumsspiritualität, d.h. ihr Kontext ist der in der Taufe bekannte, im Leben selber zu bekennende und lebende Glaube mit Einschluss des Martyriums. Dieser Zusammenhang nimmt der Liebe, die hier zur Debatte steht, jeden Eindruck der Unverbindlichkeit, des Spielerischen, des bloß Gefühlsmäßigen und Experimentellen. Es geht um den Ernstfall der Liebe, der Entscheidung und des Lebens.

Das Subjekt dieser Liebe ist niemand anderer als Christus. Er hat durch sein Leben, sein Wort und Beispiel, sein Handeln und Verhalten, sein Leiden und Sterben geradezu neu und eigens definiert, wie er Liebe und lieben versteht, was Liebe und lieben für ihn und nach ihm heißt. Seine Liebe kennt keine Grenzen und Schranken, was ihren Adressaten und Einsatz betrifft, weder in räumlicher noch in zeitlicher Hinsicht. Sie macht vor dem Gegner und ihrem Selbsteinsatz nicht Halt, sie zählt und wartet nicht, sie lässt sich nicht irritieren oder frustrieren. Das untrügliche Kennzeichen einer solchen Liebe ist ihr „von Gott“, ihr „zuerst“ und ihr „für alle“. Es macht ihre Eigenart aus, dass sie auf den Menschen zugeht und ihm nachgeht, dass sie nicht in der Ferne und im Abstand verbleibt, sondern die Nähe und das Miteinander sucht. Sie ist so geartet, dass sie unmöglich vergehen oder außer Kraft gesetzt werden kann. Auf dem Grund unseres Daseins und selbst in allem noch so alltäglichen Geschehen erwartet uns die Liebe Christi, die allen und jedem persönlich gilt. Sie in den vielen Signalen des Lebens zu entdecken, sich ihr zu öffnen und liebend anzuvertrauen, macht die Kostbarkeit unseres Weges aus.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts