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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

„Menschen sind in den Augen Benedikts - und hier deckt sich seine Sicht mit dem Blickwinkel Gottes - alles andere als fertige Wesen. Wir vergessen das nur allzu oft, indem wir von anderen erwarten, was wir selber nicht besitzen.“

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Geistlicher Impuls zum 07.02.2012

»In seiner Güte sagt der Herr: Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt.« (Benediktusregel, Prolog 38)

Im Umgang von Mensch zu Mensch spielen Bewusstseinsbildung, Überzeugungsarbeit oder Informationspolitik eine wichtige Rolle. Die Wahrnehmung dieser Aufgaben verlangt ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen in die Situation des Gegenüber, persönliche Zurückhaltung und Argumentationskunst. Dieses Geschick ist nicht nur bei delikaten Fragen und schwierigen Lebenslagen gefragt, sondern auch bei strittigen Angelegenheiten des alltäglichen Lebens. Wie sollen beispielsweise Eltern ihre Kinder von der Nützlichkeit einer bestimmten Maßnahme überzeugen? Oder wie wollen Lehrer ihren Schülern die Berechtigung gewisser Forderungen vermitteln? Wie kann man etwas an den Mann bringen, ohne sich dabei dem Verdacht oder Vorwurf der Manipulation auszusetzen? Die Antwort auf diese Frage ist nicht nur eine Sache der Begabung, der Diplomatie oder der Verhandlungsstrategie; sie hängt auch von Voraussetzungen und Vorgaben grundsätzlicher Art wie dem Respekt vor der Person und Würde des anderen, der Toleranz, der Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit anderen gegenüber ab.

Auch wenn die Ebenen verschieden sind, so lohnt es sich doch, einmal gezielt nachzufragen, welche Maßstäbe dem Umgang Gottes mit uns Menschen zugrunde liegen. Gott hat kein Interesse daran, den Menschen vor den Karren seiner Ideen zu spannen; er arbeitet nicht mit Druck, Strafe, Gewalt oder Entzug seines Wohlwollens. Statt dessen wirbt er, bittet, mahnt und wartet er, bis der Mensch selber zur Einsicht kommt und umkehrt.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts